China bietet internationalen Unternehmen enorme Chancen. Doch chinesische Zielgruppen zu erreichen, bedeutet weit mehr, als eine Website, ein Produkt oder eine Kampagne einfach ins „Chinesische“ zu übersetzen.
Die gewählte Sprachvariante, der kulturelle Kontext einer Botschaft und selbst die genutzten digitalen Kanäle können beeinflussen, wie eine Marke wahrgenommen wird.
Eine erfolgreiche Lokalisierung für China beginnt deshalb mit einem einfachen Grundsatz: Sie sollten genau wissen, wen Sie ansprechen, wo sich Ihre Zielgruppe befindet und wie sie mit Inhalten interagiert.
Drei Aspekte sind dabei besonders wichtig.
H2. 1. Wählen Sie die passende chinesische Sprachvariante für Ihre Zielgruppe
Einer der ersten Fehler, den Unternehmen machen können, besteht darin, Chinesisch als eine einzige Lokalisierungsoption zu betrachten.
Modernes Standardchinesisch beziehungsweise Mandarin ist die standardisierte gesprochene Sprachform in Festlandchina und wird von einem großen Teil der chinesischsprachigen Bevölkerung verstanden. Es ist jedoch nicht die einzige Sprachvariante, die für Unternehmen relevant sein kann.
Kantonesisch ist beispielsweise in Hongkong und in Teilen Südchinas, darunter Guangdong, weit verbreitet. Je nach Zielmarkt und Art der Inhalte kann daher auch die gesprochene Sprachvariante eine wichtige Entscheidung im Lokalisierungsprozess sein.
Dasselbe gilt für die Schriftsprache.
H3. Vereinfachtes oder traditionelles Chinesisch?
Bei schriftlichen Inhalten müssen sich Unternehmen in der Regel zwischen vereinfachtem und traditionellem Chinesisch entscheiden.
Vereinfachtes Chinesisch wird überwiegend in Festlandchina verwendet, während traditionelles Chinesisch unter anderem in Hongkong und Taiwan verbreitet ist. Doch die Zeichen lediglich von einem Schriftsystem in das andere zu übertragen, reicht nicht aus.
Wortschatz, Ausdrucksweise, Tonalität und selbst die bevorzugte Terminologie können sich von Markt zu Markt unterscheiden. Eine Übersetzung, die für Festlandchina erstellt wurde, sollte daher nicht automatisch für eine Zielgruppe in Hongkong oder Taiwan wiederverwendet werden, nur weil die Schriftzeichen konvertiert wurden.
Genau hier wird eine professionelle Chinesisch-Lokalisierung besonders wichtig. Die richtige Herangehensweise hängt nicht nur von der Sprache ab, sondern auch von der Zielgruppe, der Region, der Art des Inhalts und dem jeweiligen Kanal.
Für internationale Unternehmen bedeutet das: Der Zielmarkt sollte feststehen, bevor die Übersetzung beginnt. Eine Unternehmenswebsite für Festlandchina, eine Verbraucherkampagne für Hongkong und Support-Inhalte für Taiwan können jeweils unterschiedliche sprachliche Entscheidungen erfordern.
2. Lokalisieren Sie die Botschaft, nicht nur die Wörter
Gute Lokalisierung bedeutet nicht, einfach ein Wort durch ein anderes zu ersetzen. Entscheidend ist, dass eine Botschaft auch in ihrem neuen Kontext funktioniert.
Das ist besonders wichtig, wenn ein Unternehmen in einen Markt mit eigenen kulturellen Referenzen, Erwartungen und Kommunikationskonventionen eintritt.
Farben sind ein einfaches Beispiel. Rot wird in der chinesischen Kultur häufig mit positiven Bedeutungen wie Glück und Feierlichkeiten verbunden, während Weiß mit Trauer assoziiert werden kann. Auch Zahlen können zusätzliche Bedeutungen haben: Die Acht gilt häufig als Glückszahl, während die Vier aufgrund ihrer lautlichen Ähnlichkeit mit dem Wort für „Tod“ teilweise vermieden wird.
Kulturelle Lokalisierung sollte jedoch niemals zu einer Checkliste mit vermeintlich festen Regeln darüber werden, was chinesische Zielgruppen angeblich „mögen“ oder „nicht mögen“.
China ist ein großer und vielfältiger Markt. Vorlieben können sich je nach Region, Generation, Branche, Zielgruppe und Kommunikationskanal unterscheiden. Eine visuelle Gestaltung, die für eine Verbraucherkampagne funktioniert, muss für eine B2B-Website nicht relevant sein. Ebenso eignet sich die Sprache einer Luxusmarke nicht automatisch für technische Dokumentationen.
Das Ziel besteht daher nicht darin, Inhalte mit kulturell aufgeladenen Farben, Zahlen oder Ausdrücken zu füllen. Vielmehr geht es darum zu verstehen, wie eine bestimmte Zielgruppe die Botschaft voraussichtlich wahrnimmt.
H3. Denken Sie über den Text hinaus
Lokalisierung betrifft weit mehr als nur die eigentlichen Wörter.
Marken- und Produktnamen, Slogans, Bilder, Layouts, Icons, Datums- und Zahlenformate, Tonalität und Calls-to-Action können ebenfalls angepasst werden müssen.
Bei Marketinginhalten kann zudem Transkreation sinnvoll sein. Dabei werden die Absicht und Wirkung der ursprünglichen Botschaft für den Zielmarkt neu gestaltet, anstatt den Ausgangstext wörtlich zu übersetzen.
Auch regulatorische Rahmenbedingungen spielen eine Rolle. Unternehmen, die Inhalte für Festlandchina veröffentlichen, sollten berücksichtigen, dass Bereiche wie Karten, territoriale Bezeichnungen, politische Terminologie und bestimmte Arten von Online-Inhalten lokalen Vorschriften und plattformspezifischen Anforderungen unterliegen können.
Statt sich auf allgemeine Annahmen darüber zu verlassen, was gesagt werden darf und was nicht, sollten solche Fragen immer im Hinblick auf den jeweiligen Markt, die Branche und den konkreten Inhalt geprüft werden.
Kulturelle Lokalisierung bedeutet also nicht, Stereotypen zu folgen. Sie hilft vielmehr dabei, Missverständnisse zu vermeiden und Kommunikation so zu gestalten, dass sie für die jeweilige Zielgruppe passend und natürlich wirkt.
H2. 3. Passen Sie sich an Chinas digitales Ökosystem an
Die Sprache ist nur ein Teil der Herausforderung.
China verfügt über ein digitales Ökosystem, das sich deutlich von dem vieler europäischer und nordamerikanischer Märkte unterscheidet. Einige internationale Websites und Dienste sind in Festlandchina nicht verfügbar oder nur eingeschränkt zugänglich, während lokale Plattformen eine zentrale Rolle bei Suche, Kommunikation, Social Media und E-Commerce spielen.
Die Einschränkungen beim Zugang zu internationalen Online-Diensten werden häufig mit dem System in Verbindung gebracht, das als Great Firewall of China bekannt ist.
Für Unternehmen bedeutet das: Eine bestehende europäische Website oder Social-Media-Kampagne lediglich zu übersetzen, reicht unter Umständen nicht aus.
Plattformen wie Weixin, Baidu, Douyin und Xiaohongshu können Teil der digitalen Customer Journey in China sein. Gleichzeitig funktionieren E-Commerce und Social Commerce häufig anders als auf den Kanälen, die Unternehmen aus anderen Märkten kennen.
Weixin beispielsweise vereint Kommunikation, Content, Bezahlfunktionen, Shopping und Mini Programs innerhalb eines Ökosystems. Das zeigt, wie eng unterschiedliche Phasen der Customer Journey miteinander verknüpft sein können.
Auch die Online-Suche erfordert eine lokale Strategie. Baidu ist weiterhin eine wichtige Such- und Content-Plattform in China. Eine internationale SEO-Strategie, die ausschließlich auf Google ausgerichtet ist, lässt sich deshalb nicht einfach auf den chinesischen Markt übertragen.
H3. Denken Sie an die gesamte User Experience
Eine gute digitale Lokalisierung sollte deshalb über Keywords und übersetzte Texte hinausgehen.
Vor dem Markteintritt lohnt es sich, einige zentrale Fragen zu stellen:
- Wo sucht Ihre Zielgruppe nach Informationen?
- Welche Plattformen nutzt sie, um Produkte und Marken zu entdecken?
- Ist die Website-Erfahrung vor allem auf mobile Nutzer ausgerichtet?
- Berücksichtigt die Customer Journey lokale Zahlungsmethoden und Kaufgewohnheiten?
- Wirken Navigation, Formulare und Calls-to-Action für lokale Nutzer natürlich?
- Sind die Inhalte technisch zugänglich und erfüllen sie die Anforderungen des Marktes, in dem sie veröffentlicht werden?
Die Antworten hängen von Ihrer Zielgruppe und Ihrem Geschäftsmodell ab.
Ein B2B-Hersteller, der Vertriebspartner sucht, benötigt beispielsweise eine ganz andere Lokalisierungsstrategie als eine Verbrauchermarke, die in den chinesischen E-Commerce einsteigen möchte.
Entscheidungen rund um Plattformen, UX, SEO und Sprache sollten daher idealerweise gemeinsam getroffen und nicht als voneinander unabhängige Projekte betrachtet werden.
H2. Erfolgreiche Lokalisierung beginnt mit lokalem Kontext
Der Eintritt in den chinesischen Markt ist nicht einfach nur ein Übersetzungsprojekt.
Unternehmen müssen entscheiden, welche Sprache und welches Schriftsystem ihre Zielgruppe erwartet, verstehen, wie ihre Botschaft kulturell wahrgenommen werden kann, und sicherstellen, dass die digitale Experience zu den Plattformen und Verhaltensweisen des jeweiligen Marktes passt.
Wer diese Entscheidungen von Anfang an richtig trifft, schafft die Grundlage dafür, dass Lokalisierung zu einer natürlicheren Kommunikation beiträgt, unnötige Hürden reduziert und stärkere Verbindungen zu lokalen Zielgruppen ermöglicht.
Bei t’works verbindet unser internationales Team aus Sprachexpertinnen und Sprachexperten sprachliche Kompetenz mit lokalem Marktverständnis. So unterstützen wir Unternehmen dabei, ihre Inhalte für Zielgruppen auf der ganzen Welt anzupassen.
Sie möchten Ihre Inhalte für China lokalisieren? Sprechen Sie mit uns über die passende Strategie für Ihren Markt, Ihre Zielgruppe und Ihre Kommunikationskanäle.
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